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Der Kranke Mann am Bosporus

Karikatur: Sultan Abdulaziz I., erschienen im Londoner Satiremagazin Vanity Fair, 1869
Karikatur aus dem Punch von 1896: Sultan Abdülhamid II. muss erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass Russland, Frankreich und Großbritannien die Umwandlung seines Reiches in eine Beteiligungsgesellschaft beschlossen haben.
Karikatur aus dem Punch von 1896: Sultan Abdülhamid II. muss erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass Russland, Frankreich und Großbritannien die Umwandlung seines Reiches in eine Beteiligungsgesellschaft beschlossen haben.

“Ellerimizde hasta bir adam var – ölmek üzere. Eger gerekli üzenlemeler yapilmadan bugünlerde elimizden kayip giderse bu büyük bir sansizlik olacaktir.”

Wir haben einen kranken Mann auf unseren Armen der kurz vor dem Tod steht. Es wäre ein Unglück, wenn er eines Tages uns absterben würde ohne etwas zu unternehmen – dies wäre ein tödliches Unglück.

1852, russische Zar Nikolaus I. im Gespräch mit dem Britischen Botschafter

Der Kranke Mann am Bosporus von Zar Nikolaus I. wurde zu einem Synonym für den langsamen Verfall des Osmanischen Reiches im 19. Jahrhundert. Viele Großmächte, vor allem Russland, erhoffte sich das Osmanische Reich unter sich aufzuteilen.Marode Militärtechnik, die zu späte vorangetriebene Industrialisierung, schlechte Wirtschaft, horrende Staatsschulden und der Aufstand des Nationalismus der Balkan Völker gegen das Reich. All dies führte dazu, dass das vormals mächtige Osmanische Reich immer mehr zum Spielball der europäischen Mächte wurde. Das Osmanische Reich versuchte mit allen Mitteln Staatsinterneprobleme nicht publik zu machen, doch als in der Ägyptischen Provinz Muhammad Ali Pasa sich gegen den Willen des Sultans weitgehend vom Osmanischen Reich unabhängig machte erkannten viele Großmächte die großen Probleme des Reiches. 1804 erhoben sich die Serben und erhielten bis 1830 eine weitgehende Autonomie, 1827 wurde Griechenland unabhängig.

Der Kranke Mann am Bosporus

Karikatur: Sultan Abdulaziz I., erschienen im Londoner Satiremagazin Vanity Fair, 1869
Karikatur: Sultan Abdulaziz I., erschienen im Londoner Satiremagazin Vanity Fair, 1869

Wir haben einen kranken Mann auf unseren Armen der kurz vor dem Tod steht. Es wäre ein Unglück, wenn er eines Tages uns absterben würde ohne etwas zu unternehmen – dies wäre ein tödliches Unglück.

Der russische Zar Nikolaus I. prägte den Spruch vom Kranken Mann erstmals 1852 in einem Gespräch mit dem britischen Botschafter. Demnach könnte die Orientalische Frage, über den Fortbestand des Osmanischen Reiches, binnen kurzem ein für alle Mal gelöst werden, wenn Russland und England sich einig seien.

Der russische Zar bezog sich dabei auf Sultan Abdulmecid I., der Ausdruck geriet jedoch zum sprichwörtlichen Namen für die zerfallende Türkei.
Die Orientalische Frage wurde ein Dauerthema der Diplomatie. Russland sah darin eine Chance, seinen Machteinfluss in Europa stärker geltend zu machen. Österreich sowie England und Frankreich sahen die Gefahr der russischen Expansion, zum Beispiel im Krimkrieg, und tendierten daher eher dazu, ein schwaches Osmanisches Reich aufrechtzuerhalten. In der Orientalischen Frage über Sein oder Nichtsein des Reiches waren sie der Meinung, dass das Osmanische Reich, das in jener Zeit noch immer eine gewaltige Ausdehnung besaß, müsse erhalten bleiben.

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