Kaffeehaus 19. Jahrhundert,illustriert von Thomas Allom und beschrieben Rev. Robert Walsh, (1772-1852) in Constantinople / Public Domain
Kaffeehaus 19. Jahrhundert,illustriert von Thomas Allom und beschrieben Rev. Robert Walsh, (1772-1852) in Constantinople / Public Domain
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Kaffee Geschichte: Warum Starbucks und wir dem osmanischen Sultan Selim I. dankbar sein sollten

Caffinets as the one pictured by Thomas Allom and described by the Rev. Robert Walsh, (1772-1852) in Constantinople / Public Domain
Kaffee Geschichte: Kaffeehaus 19. Jahrhundert,illustriert von Thomas Allom und beschrieben Rev. Robert Walsh, (1772-1852) in Constantinople / Public Domain

Kaffee Geschichte: „Warum wir und Starbucks dem osmanischen Sultan Selim I. dankbar sein sollten“. So schrieb es am 20. August 2020, der Professor für Geschichte Alan Mikhail in der amerikanischen Zeitung The Washington Post. [1] Weltweit werden täglich 2,25 Milliarden Tassen Kaffee getrunken. Das Wort Kaffee kommt vom türkischen Kahve und aus dem arabischem Qahwa. Der Kaffee machte 2019 weltweit einen Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar. Insgesamt leben auf der Welt aktuell 100 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau. Letztes Jahr wurden etwa 11 Millionen t Kaffee hergestellt. Doch wie wurde der Kaffee zu so einem Erfolg und warum wir den Kaffee heute nicht mehr wegdenken können. Gehen wir dazu zurück in die Vergangenheit ins 16. Jahrhundert. Hier wurden der Kaffee entdeckt und die ersten Kaffeehäuser, wie Starbucks eröffnet. Die Geschichte des Kaffees…

Alan Mikhail ist Professor für Geschichte und Vorsitzender der Abteilung für Geschichte an der Yale University. Sein Hauptschwerpunkt ist das Osmanische Reich und Geschichte. Er ist Autor des Buches „Gottes Schatten: Sultan Selim, sein Osmanisches Reich und die Entstehung der modernen Welt“. Weitere Bücher: Nature and Empire in Ottoman Egypt: An Environmental History und The Animal in Ottoman Egypt.

Kaffee Geschichte: Die Entdeckung des Kaffees von Yavuz Sultan Selim I.

Yavuz Sultan Selim I. (* 10. Oktober 1470 in Amasya; † 21. September 1520 bei Çorlu). Die 3. Bosporus-Brücke in Istanbul ist nach Selim I. benannt.

In  September 2020 jährte sich zum 500. Mal der Todestag eines einzigartigen Sultans, Selim I. Er war der neunte Sultan des Osmanischen Reiches. In seiner Regierungszeit hatte er das osmanische Territorium fast verdreifacht. Im Jahre 1517 marschierten Selims Truppen in Kairo ein. Selim besiegte hier einen großen Rivalen, die Mameluken. Damit kontrollierte er fortan die Handelsrouten zwischen dem Mittelmeer und Indien sowie China.  Er besaß viel Geld und ein Netz von Häfen an den großen Meeren und Ozeanen. Er hatte sich den Titel „Gottes Schatten auf Erden“ verdient. Die Niederlage der Mameluken, welches auch ein Turkvolk war, hatte das Gleichgewicht der globalen Macht verändert. Die geopolitischen Karten wurden neu gemischt. Im Jahre 1517 eroberte Selim Mekka und Medina, die heiligsten Städte des Islam. Dies machte den Sultan zum Kalifen, dem Führer der muslimischen Welt. Mit der Eroberung Jemens entdeckten Selim und seine Soldaten rote, am Strauch wachsende Früchte. Den Kaffee…

Der Kaffee hieß früher in Europa auch „Türkentrank“. Es gibt auch ein bekanntes Kinderlied dazu: „C-A-F-F-E-E,
trink nicht zuviel Kaffee,
nicht für Kinder ist der Türkentrank,
schwächt die Nerven,
macht dich blass und krank.
Sei doch kein Muselman,
der das nicht lassen kann.“

Kaffee Geschichte: Hörbeispiel der Melodie auf: https://de.wikipedia.org/wiki/C-a-f-f-e-e C-a-f-f-e-e ist ein Kanon zu drei Stimmen im Einklang. Der Schöpfer der Melodie und des Textes ist Carl Gottlieb Hering (1766–1853).

Warum Starbucks und wir  dem osmanischen Sultan Selim I. dankbar sein sollten

Kaffee Geschichte: Sultan Murad IV., im Alter von nur 11 Jahren bestieg er den kaiserlichen Thron. Er war der 17. Thronfolger aus dem Hause Osman. Seine Herrschaft dauerte nur 17 Jahre zwischen 1623 und 1640. Sultan Murads strenge ist legendär.

Die Osmanen begannen, diese rote Früchte zu brauen und gründeten Institutionen, die sie ausschließlich dem Kaffeetrinken widmeten. Die Osmanen verbreiteten den „Türkentrank“ in allen Teilen ihrer Herrschaftsgebiete. Auch ins südöstliche Europa, wo öffentliche Kaffeehäuser bald die Straßen der Städte prägten und ein Zentrum für Unterhaltung und Kultur wurden. Hier durften auch Schattenspieltheater (Hacivat und Karagöz) und Geschichtenerzähler (Meddah, Orta Oyunu) auftreten. Wir und vor allem Starbucks-Besitzer Howard Schultz haben Selim für das Kaffeehaus zu danken.  Im Jahre 1544 eröffnete in Konstantinopel das erste Kaffeehaus (Kahvehane) in Europa . Zuvor auch in Kairo.Es folgten die Städte Venedig (1555), Oxford (1650), London (1652) und Wien (1683). Die Venezianer konnten, aufgrund diplomatischer Aktivitäten in Istanbul, den Kaffee schon etwas früher genießen als die Wiener. Im Jahr 1683 während der zweiten Türkenbelagerung Wiens, ließen die Osmanen bei Ihrer Flucht ein Verpflegungslager zurück. Enthalten waren orientalischen Speisen wie Reis, Gewürze, Getreide und Kaffeebohnen. Einer der Treiber der Wirtschaft des Imperiums bis zum frühen 18. Jahrhundert war die Kontrolle des globalen Kaffeehandels. Sultan Selim hatte das allererste Monopol auf ein Massenkonsumgut der Welt.  Unter dem Herrscher Sultan Murad IV war der Kaffee eine kurze Zeit verboten, Kaffeehäuser wurden niedergerissen und Kaffeetrinker verfolgt und bestraft.

Kaffee Geschichte: Wie die Osmanen Martin Luther und den Protestanten halfen

In Europa herrschten im 16. Jahrhundert viele kleine zerstrittene Fürstentümer. Diesen waren gegen die Macht des gigantischen muslimischen Reiches nicht gewachsen. Diese Machtungleichheit war für Martin Luther klar eine Strafe Gottes. Er warf der Katholischen Kirche unmoralische Verderbtheit und dem Papst Korruption vor. Die Macht der Osmanen spielte Luther in die Hände. Viele katholische Mächte und Fürstentümer lehnten es ab, aus Furcht vor möglichen Angriffen der Osmanen, zusätzliche Streitkräfte gegen Luther und seine Anhänger zu entsenden. Schließlich konnte der protestantische Glauben in deutschen Städten und auf der ganzen Welt und Amerika Fuß fassen.

Kaffee Geschichte: Osmanische Flotte: Selim beherrschte die Handelsrouten zwischen dem Mittelmeer und Indien sowie China

Sultan Selim I. hatte Einfluss auf der ganzen Welt

Türkische Kaffee/Mokka [2], erlebt eine neue Renaissance

Selims Eroberung veränderte die Welt so, dass sein Einfluss sogar über Europa und den Nahen Osten hinaus über den Atlantik nach Nordamerika reichte. Der neunte Sultan des Osmanischen Reiches schrieb „Kaffee Geschichte“. Wenige Wochen nachdem Selim Kairo eroberte, landeten die ersten Europäer in Mexiko. Denn fortan kontrollierte Selim die Handelsrouten zwischen dem Mittelmeer und Indien sowie China. Es musste eine neue Handelsroute her.  Diese Stadt in Mexiko ist das heutige Kap Catoche in der Nähe von Cancún. 1517 tauften die Spanier die Stadt in El Gran Cairo, das Große Kairo. Die Osmanen blieben von Selims Regierungszeit bis zum Ersten Weltkrieg, nach mehr als sechs Jahrhunderten Herrschaft, als zentraler Akteur auf der Weltbühne bestehen. Sie gilt als die längste Familiendynastie der Welt. Dank Selim hatten die Osmanen mehr Macht, kontrollierten mehr Territorium und herrschten über mehr Menschen. Während der Islam auf der Welt heute oft als bedrohlicher „Anderer“ dargestellt wird, so ist er tatsächlich ein wesentlicher Bestandteil unserer Geschichte und Kultur. Die Entdeckung Amerikas, Protestantismus und Kaffee haben alle eine osmanische Geschichte. Die Europäer haben das Osmanische Reich aus der welthistorischen Geschichte herausgelassen, um ihre Herrschaft als unvermeidlich erscheinen zu lassen.

Kaffee ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken

2,25 Milliarden Tassen Kaffee täglich, machen 821 Milliarden Tassen Kaffee im Jahr. Es gibt den Kaffee heute in vielen Variationen. Der Kaffee ist aus unserer Gesellschaft und aus den pulsierenden Metropolen nicht mehr wegzudenken. Vor allem erlebt der Türkische Kaffee/Mokka [2], eine neue Renaissance und wird immer beliebter. Seit 2013 gehört die Zubereitung von Mokka und die „Türkische Kaffeekultur auf einem Sandbett“ zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Es wird Kaffee auch heilende und gesundheitsförderne Eigentschaften nachgesagt. Dazu muss die evidenzbasierte Medizin aber noch mehr Beweise sammeln.

Ein Türkisches Sprichwort: “ Bir fincan kahvenin kirk yil hatiri vardir.“ Übersetzt heißt es: „Die Erinnerung an eine Tasse Mokka vergisst man 40 Jahre nicht.“ Der türkische Kaffee ist neben dem Genuss eine gute Geste vom Gastgeber. Er wird nur für besondere Gäste zubereitet.

Quellen

  1. https://www.washingtonpost.com/outlook/2020/08/20/ottoman-sultan-who-changed-america/http://urlaubslandtuerkei.info/2016/03/kulturland-tuerkei/ zugriff am 31.10. 2020
  2. https://istanbultrip.info/aktuelle-nachrichten/turkischerkaffee-mokka/ zugriff am 31.10. 2020

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