
Köttbular: schwedisch oder türkisch?
Das Möbelhaus IKEA kennt so wirklich jeder auf der Welt. Möbel anschauen ist manchmal anstrengend und macht hungrig. Warum nicht nach der Ausbeute eine Kleinigkeit essen und sich für den Aufbau stärken? Wie wäre es mit Köttbular – kleine, saftige Fleischbällchen mit einer Stärkebeilage und Salat? Lecker!
Schweden: IKEA, Volvo, Köttbular
Wenn man Schweden hört, denkt man zuerst an IKEA, Volvo, die Köttbular und die Nordlichter. Köttbular sieht aber dem türkischen Köfte verblüffend ähnlich aus. Auch die Namen ähneln sich. Kann es sein, dass Kötbullar gar nicht schwedisch, sondern türkisch ist? Es stimmt Köttbular ist tatsächlich türkisch, das bestätigte auch endgültig die schwedische Regierung (sweden.se) mit einem Twit auf Twitter am 28.April 2018
„Swedish meatballs are actually based on a recipe King Charles XII brought home from Turkey in the early 18th century. Let’s stick to the facts!“ ~ Twit auf Twitter am 28.April 2018
Übersetzt heißt das: „Schwedische Fleischbällchen basieren auf einem Rezept, welches König Karl XII. Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem damaligen Osmanischen Reich, heute Türkei, mitgebracht hat. Bleiben wir bei den Fakten!“, heißt es in dem Tweet. Siehe hier Orginal Twet: https://twitter.com/swedense/status/990223361648275456/photo/1
Zur Geschichte der Köttbular / Köfte
Im Zuge des Großen-Nordischen Krieges im Jahre 1700 erklärte Schweden unteranderem auch Russland den Krieg. Nach einigen Erfolgen und Aufstiegen erfolgte durch eine schmerzhafte Niederlage im Jahre 1709 gegen die Russen der Abstieg. Der schwedische König Karl XII lebte fortan im Exil im Osmanischen Reich (1709-1714). Hier nannte man ihn Demirbaş Şarl (Eisenkopf Karl). Hier wirbte er für einen Krieg zwischen den Osmanen und Russen. In den fünf Jahren Exil, lernte er auch viel über die türkische Kultur und Küche kennen. Er aß das erstemal Reis und Köfte. 1714 hatte Sultan Ahmet III. die Nase voll von dem Gast, der immer noch einen Krieg heraufbeschwören wollte. Er musste zurück nach Schweden. So nahm Karl ein paar osmanische Köche und Kaffee mit in seine Heimat. Die Köche waren spezialisiert auf Dolma, Sarma und Köfte. So oder so ähnlich soll die Köttbular seinen Weg nach Schweden gefunden haben. Köttbular ist also neben Tulpen, Joghurt, Cevapcici und die Ottomane ein türkische Erfindung. Problem: die türken ließen früher nichts patentieren.
Köttbullar in den verschiedensten Variationen
Heute gibt es Köttbular in verschiedenen Variationen. Köttbullar werden wie Frikadellen zubereitet: fein zerkleinertem Hackfleisch, Ei, Paniermehl und Zwiebeln. Das Paniermehl wird dabei in Milch oder Sahne eingeweicht, die feingehackten Zwiebeln werden vor dem Einarbeiten angedünstet. Gewürzt werden sie mit Salz, Pfeffer und etwas Piment, eventuell auch etwas Ingwerpulver. Nachdem die Bällchen in Butter gebraten wurden, kann aus dem Bratensatz eine Sauce hergestellt werden. In Schweden und Finnland werden Köttbullar auch aus Elchfleisch zubereitet. Als kaltes Brotgericht werden sie bei der schwedischen Smörgås-Variation Köttbullesmörgås meist zusammen mit Rote-Bete-Salat gereicht (schwedisch: „Köttbullesmörgås med rödbetssallad“).
Unterschied zwischen Cevapcici und Köfte
Köfte ist der Vorgänger von Cevapcici. Es wird angenommen, dass mit den Osmanen auch Köfte zum Balkan kam. Hier entwickelte sich der Köfte zu Cevapcici. Den Unterschied zwischen Köfte und Cevapcici macht das Fleisch und die Gewürzmischungen. Cevapcici wird meist gegrillt oder gebraten. Oft wird Cevapcici in Fladenbrot und Ajvar-Paste serviert. Nach einer Untersuchung im Jahre 2005 von Pınar- Et gibt es in der Türkei stolze 291 Köfte-Variatonen.
Quellen
- http://arsiv.sabah.com.tr/2005/03/08/cp/gnc108-20050306-102.html